ERFAHRUNGEN

Über die persönlichen Erfahrungen erhalten Sie hier einen Einblick in die Gestaltung von Ritualen:

 

Der folgende Text stammt aus meinem Buch:

 

Marascha Daniela Heisig, Sinn finden in der Natur. Heilsame Rituale für Lebensübergänge. © Patmos Verlag der Schwabenverlag AG, Ostfildern 2013.

Share the blanket: Ein Hochzeitsritual

In der indianischen Sprache gibt es nur ein Wort für Liebe, Freundschaft, Ehe, Verbundenheit: „Share the blanket“ bzw. „teile die Decke“. Dort, wo die Decke geteilt wird, ist Verbundenheit, Wärme, Liebe zu finden, Hab und Gut werden geteilt. So spielt in vielen Bindungsriten das Teilen der Decke eine große Rolle.

Alternativ zur kirchlichen Hochzeit führen Paare heute immer häufiger selbst gestaltete spirituelle Hochzeitsrituale durch. Das folgende Hochzeitsritual habe ich mit dem Paar gemeinsam entwickelt und durchgeführt. Als Vorbereitung des Rituals hatte das Paar eine rituelle Naturwanderung zur Absicht, ihre alte Rolle als Single loszulassen, durchgeführt und gemeinsam rituell verbrannt, was sie hinter sich lassen wollten.

Die Einstimmung ins Ritual begann damit, dass das Paar von Osten durch ein Spalier aus Blüten in einen Kreis an einem wunderschönen Ritualplatz in der Natur zog und von allen vierzig Verwandten und Freunden dabei besungen wurde. Die Menschen, der Platz wurden begrüßt, die Kräfte eingeladen und die Ahnen geehrt. Die Absicht wurde benannt: gemeinsam die rituelle Vermählung durchzuführen und sich im Ritual an die eigene Liebesfähigkeit erinnern zu lassen. Das Paar entzündete ihr Feuer der Liebe. Alle konnten anschließend mit einer Prise Lavendel, die sie ins Feuer gaben, weitere Kräfte in den Kreis rufen.

 

Jede Person erzählte kurz, woher sie das Paar kannte. In einer kurzen rituellen Auszeit in der Natur verband sich jede Person mit ihrer eigenen Liebesfähigkeit und den Wünschen für das Paar. Bei ihrer Rückkehr lagen Birkenzweige, Bänder und dicke Stifte bereit. Zu zweit oder zu dritt schrieben sie ihren Wunsch für das Paar auf ein Band und wickelten es um den Birkenzweig und dekorierten ihn mit Blüten und Symbolen aus der Natur.

 

Die Männer wurden eingeladen, sich auf der einen, die Frauen auf der anderen Seite des Kreises einzufinden. Dann priesen die Männer den Bräutigam spielerisch der Braut an: Was ist an ihm liebenswert, weshalb lohnt es sich, mit ihm durchs Leben zu gehen? Wenn die Braut überzeugt war, bewegte sie sich auf ihn zu. Umgekehrt priesen auch die Frauen die Braut an. Im Hintergrund wurde im Herzrhythmus leise getrommelt. Als sie schließlich voreinander standen, lasen sie sich gegenseitig einen Brief vor, den sie voneinander nicht kannten. Er beinhaltete, was sie am Anderen lieben, ehren und schätzen, was sie beherzigen möchten, wenn es schwierig wird und was sie dem Anderen versprechen. Anschließend sprachen Sie ihr gemeinsames Versprechen aus. Während die Gäste mit Rasseln und Trommeln das Ja-Wort bezeugten, wurden die Ringe überreicht.

 

Die neue Verbindung wurde gesegnet und die Kräfte um Schutz und Begleitung gebeten. Auch die Trauzeugen bekräftigten die Ehe. Sie versprachen, das Paar in schwierigen Zeiten an diese lichtvollen Momente zu erinnern und für beide da zu sein. Die Trauzeugen überreichten dem Paar eine selbst gehäkelte Decke und wickeln beide zusammen mit den Worten, dass sie ihre Decke nun teilen und sich gegenseitig wärmen. Der Kreis bezeugte mit Rasseln und Rufen die neue Verbindung. Reihum gaben sie dem Paar ihre Segenswünsche mit auf den Weg.

 

Zum Abschluss wurde den Kräften, dem Feuer, dem Wind, der Erde und dem Wasser gedankt und das Ritual beendet. Die Gäste konnten sich aus einer großen Schale, die im Kreis gereicht wurde, Rosenblüten, Reis und Lavendel herausnehmen. Sie bildeten mit den Wunschbändern ein hohes Spalier, durch welches das Paar hindurchging.